Donnerstag, 10. März 2016

Eingetaucht: Die Wellen unserer Impulse


Die Seele des Menschen, wie ein Regentropfen, der ins Wasser fällt. Mit dem Aufprall schwingen seine Wellen aus und berühren die Wellen der danebenliegenden Tropfen.
Allein bewegt ein Regentropfen nicht viel, doch in der Masse hat er die Kraft das Bild des Wassers grundsätzlich zu verändern.

Wie der Regentropfen, der ins Wasser fällt, senden auch wir Menschen Impulse. Wir verändern die ausgesandten Impulse anderer Menschen und, wenn alle die selben Impulse aussenden, verändern wir nicht nur uns, unsere Ansichten und Gedanken, sondern auch die unserer Mitmenschen und unserer Umbegung.

Manchmal muss man sich bewusst werden, was man mit den Impulsen, die man aussandt, bewirken kann. Sowohl im negativen, als auch im positiven Sinne. Wenn wir etwas verändern wollen, sollten wir bei uns selbst anfangen. Ein kurzes Beispiel: Vor ungefähr 8 Jahren entschied ich mich dazu, mich vegetarisch zu ernähren. Damals stieß ich oft auf Unverständis (auch bei meiner späteren Entscheidung, nur noch vegane Produkte zu essen). Mittlerweile ernähren sich sowohl meine Familie als auch der Großteil meine Freunde vegetarisch/vegan. Warum? Ich habe nie dafür plediert, und bin noch immer der Meinung, dass jeder Mensch das tun soll, was er für richtig hält. Man sollte es hinterfragen und sich damit beschäftigen, wenn es einen interessiert. Nur dadurch, dass ich „so“ gelebt habe, konnte ich viele Menschen in meiner Umgebung zum Nachdenken anregen. Ich habe Impulse ausgesandt und dadurch die Wellen der Impulse meiner Mitmenschen berührt und eventuell verändert.
In der heutigen Zeit verkauft so gut wie jeder Supermarkt in Deutschland extra gekennzeichnete vegetarisch/vegane Produkte. Man muss also nicht mehr, wie noch vor einigen Jahren, auf den Bio-Supermarkt zurückgreifen. Es gibt für fast alles Ersatzprodukte, wodurch auch ein Veganer „Käse“ essen und beim Grillfest seinen Tofuburger grillen kann. Die Lebensmittelindustrie verändert sich auf Grund der wachsenden Nachfrage und dies immer rasanter.
Einzelne Menschen haben ihre Impulse ausgesandt, andere Menschen damit bewegt und in der Masse etwas verändert. Das lässt sich auch auf viele andere Situationen übertragen.

Diese Metapher hatte ich vor ungefähr 3 Jahren vor Augen.
Sie kam wieder in meine Gedanken, als ich im Januar abends mit einem Freund am Meer in Stonetown, Zanzibar, saß. Wir beobachteten die Wellen, wie sie, in unterschiedlicher Intensität, immer näher kamen bis das Wasser irgendwann gegen die Mauer schlug auf der wir saßen. Dabei teilte sich das Wasser der Welle schnell und kräftig in tausende Wassertropfen.
Wir führten zu dem Zeitpunkt schon ein schönes, philosophisches Gespräch und ich ließ meinen Gedanken miteinfließen.

Als ich überlegte, worüber mein zweiter Weltwärtsbericht handeln solle und mir das Thema „Veränderung“ einfiel, dachte ich an diesen Abend zurück.
In meinem ersten Weltwärtsbericht bin ich abgehoben und schrieb über die Relativität der Zeit.
Mit Hilfe meines zweiten Berichts, möchte ich mit euch gemeinsam eintauchen. Eintauchen in Erinnerungen und Erfahrungen, die ich die letzten 6 Monate sammeln durfte. Eintauchen in die Veränderung, die ich durchlebe und die Veränderung, die ich mir, seit ich denken kann, wünsche.

Seitdem mir als Kind die Ungerechtigkeiten und Ungleichheiten in unserer Gesellschaft bewusst wurden, wollte ich etwas daran ändern und so ist es auch heute noch. Vielleicht sehe ich es mittlerweile ein bisschen realistischer, doch der Traum von einer in Liebe lebenden Zivilisation begleitete mich damals und begleitet mich jetzt.

Ich durfte in Tansania schon viel erleben. Hatte die Möglichkeit zu leben, zu reisen, zu entdecken und zu erfahren. Lerne Tag für Tag eine andere Kultur kennen und eine neue Sprache. Treffe Menschen, die mich inspirieren, mich bewegen. Obwohl ich im Inneren wohl immer der selbe Mensch war und auch immer sein werde, verändere ich mich. Ich passe mich Gegebenheiten und Situationen an und erhalte neue Denkanstöße.

Da mein Projekt, bedingt durch die Schulferien, den ganzen Dezember geschlossen war, konnte ich gemeinsam mit 3 weiteren Freunden den Süd-Westen Tansanias bereisen. In Iringa, Mbeya und Isongole übernachteten wir bei Couchsurfern, was sich für mich als schöne Möglichkeit erübrigte, interessante Menschen kennenzulernen und leichter einen tieferen Einblick in die jeweilige Stadt zu bekommen. In Iringa wanderten wir zum Gangilonga Rock, besuchten die Isa-Mila Schlucht (ausgetrocknete Korallenriffe) und besichtigten die Stadt. Besonders gefielen mir allerdings die Sonnenaufgänge, für die ich jeden Morgen um 5 Uhr aufstand. Wir wohnten auf einem kleinen Berg , so sah ich die Sonne zwischen den Bergen über der Stadt aufgehen. In Mbeya verbrachten wir den Tag ebenfalls damit die Stadt zu erkunden und gingen Abends zusammen feiern. In Isongole wohnten wir in einem kleinen Dorf, bei einem Couchsurfer der sich zu der Zeit in Malawi befand, uns aber den Schlüssel hinterließ. Dort wanderten wir durch Mais und Bambusfelder, bergauf durch einen Dschungel zum Ngozi Crater Lake. Am Abend war im Dorf Stromausfall und man sah seine Hand vor Augen nicht mehr, dafür aber einen unglaublichen Sternenhimmel und immer mal wieder eine Sternschnuppe. Den Tag darauf ging es für uns weiter nach Matema. Ungefähr eine Woche verbachten wir in dem kleinen Dorf am Lake Nyassa, da wir auf die Fähre warteten, die nur einmal in der Woche (zumindest theoretisch) fuhr. Wir wanderten zu Wasserfällen, gingen schnorcheln und nutzen die Zeit um am Strand oder im Wasser zu entspannen. Abends saß ich oft noch am Strand, genoss die Atmosphäre und meditierte. Am besagten Donnerstag nahmen wir die Fähre nach Mbamba Bay. Die Fährfahrt dauerte insgesamt 27 Stunden und wir verbrachten die Nacht bei Gewitter gemeinsam mit den anderen Passagieren auf Deck. Von Mbamba Bay aus trampten wir in der Nacht noch nach Songea, um am nächsten Morgen wieder zurück nach Dar es Salaam zu fahren.
Ein paar Tage darauf erwartete ich Besuch aus Deutschland, dem ich Dar es Salaam zeigte. Daraufhin machten wir eine Safari im Mikumi Nationalpark und eine Wanderung zu den Wasserfällen in den Udzungwa Mountains. Über Silvester fuhren wir nach Zanzibar und feierten es gemeinsam mit Freunden in Nungwi. Die nächsten Tage verbrachten wir in Stonetown, bis er wieder nach Hause flog und ich mich auf den Weg zum Zwischenseminar in Paje machte. Die Atmosphäre des Seminars, so wie die besprochenen Themen und aufgekommen Diskussionen gefielen mir unglaublich gut. Auch das Einzelgespräch mit einer Psychologin brachte mich, vom Gefühl her, weiter. Nach dem Seminar verbrachten wir noch einen Tag in Stonetown und fuhren von da aus zurück nach Dar es Salaam.
Dort fing der Arbeitsalltag wieder an. Anfangs war es schwer sich einzufinden, auch weil nur wenige Kinder kamen und es vergleichsweise nicht so viel zu tun gab. Tag für Tag kamen jedoch mehr Kinder und somit stieg auch der Arbeitsaufwand kontinuierlich. Im Gegensatz zu meiner Anfangszeit, fiel es mir deutlich leichter, den Bezug zu den „neuen“ Kindern zu finden. Dadurch, dass ich mich mit ihnen unterhalten kann und sie viel erzählen. Trotzdem fehlen mir die Kinder, die nach den Dezemberferien in die Grundschule gewechselt sind und ich freue mich immer, wenn ich ihnen auf meinem Weg nach Hause begegne und sie mich freudestrahlend begrüßen.
Motiviert ging ich in letzer Zeit unter anderem das Projekt an, das Dach und die Fenster des Kindergartens reparieren zu lassen. So regnet es nicht in den Klassenraum rein und die Kinder können sich am spitzen, abstehenden Draht der Fenster nicht mehr verletzen. Momentan steht die Zeit mit der neuen, zusätzlichen Lehrkraft in ihren Anfängen und ich bin gespannt, wie sich das auch auf meine Arbeitsfelder auswirken wird. In letzter Zeit fiel mir besonders das „Siwezi“(„Ich kann nicht“) der Kinder auf, wenn ich ihnen eine neue Aufgabe gab. Ich zeigte ihnen, wie sie das Wort, den Bustaben oder die Zahl schreiben sollen und, sagte ihnen, dass sie es doch mal versuchen können. Anstatt, wie Anfangs noch, einfach nur dazusitzen und verzweifelt auf ihr Heft oder ihre Tafel zu schauen oder gar zu weinen, versuchen sie es mittlerweile gern, helfen sich untereinander und freuen sich, wenn ich sie für das Geschriebene lobe. So sehe ich immer schnellere Fortschritte, die auch mich glücklich machen.



Und so, wie ich in all diesen Momenten, Impulse ausgesendet habe, habe ich auch die meiner Mitmenschen empfangen. Durch diese neuen Einflüsse verändern sich die Wellen, die mein Wassertropfen im Meer zeichnet. Dadurch habe ich hier gelernt, offener auf Menschen zuzugehen und meine Weltanschauung nach außen zu tragen. In Deutschland noch konnte ich nur bei wenigen Menschen mein „Wesen“ öffnen und hier passiert es von ganz allein. Ich habe Zeit, mich mit mir selbst zu beschäftigen, mich zu fragen, wer ich bin und wer ich sein möchte. Dadurch weiß ich, was ich mir für meine Zukunft wünsche. Wie genau der Weg sein wird, weiß ich nicht, doch ich kenne mein Ziel. Ich bin gespannt, welche Impulse mich in den nächsten 6 Monaten und auf meinem weiteren Lebensweg noch verändern werden und inwiefern ich durch meine ausgesandten Impulse etwas verändern kann.

Sonntag, 24. Januar 2016

Auf der Couch durch Tansania

Es ist Nacht. Ich liege am Strand. Meine Ohren vernehmen das Rauschen der Wellen. Meine Augen schauen in den sternreichen Himmel. Eine Sternschnuppe jagt die Nächste, so viele Wünsche habe ich gar nicht. Die Unendlichkeit des Universums lässt mich klein erscheinen.

Den gesamten Dezember haben die Schulen in Tansania geschlossen und die Schüler (und Lehrer) haben Schulferien. Diese Zeit nutzte ich, um den Süd-Westen Tansanias mit 3 weiteren Freunden zu erkunden.
Wie so oft merke ich, dass ich kein Berichts-Typ bin. Ich lese sie nicht gerne und es fällt mir schwer, welche zu schreiben. Hiermit versuche ich also einfach ein paar Gedanken niederzuschreiben und euch mit Hilfe von Bildern, an meiner Reise teilhaben zu lassen.

Erst einmal möchte ich die Überschrift erklären: Wir schliefen hauptsächlich bei Couchsurfern, was uns nicht nur viel Geld ersparte, sondern auch die Möglichkeit eröffnete, neue, interessante und aufgeschlossene Menschen kennenzulernen. Außerdem erhielten wir so schnell die Insidertipps der jeweiligen Stadt. Was ich allerdings am interessantesten fand war, wie unterschiedlich die Menschen und Häuslichkeiten waren, in denen wir übernachten durften. Von einer tansanischen Familie, die für mich der Innbegriff von Gastfreundschaft war, über einen deutschen Expert, bei dem man nach 4 Monaten mal wieder eine warme Dusche genießen konnte, bis hin zu einen für uns eigentlich unbekannten Menschen, den wir nie trafen, weil er sich zu der Zeit in Malawi befand und uns dennoch herzlich einlud mit dem Hinweis, wo sich sein Schlüssel lag.

Im Vorhinein hätte ich nicht damit gerechnet, dass Couchsurfng so gut in Tansania funktionieren wird. Ich kann es hiermit nur jedem ans Herz legen und werde es definitiv in meinen zukünftigen Reisen genau so machen.


  1. Iringa
    Iringa ist bis jetzt meine Lieblingsstadt in Tansania. Im Vergleich zu Dar es Salaam sehr ruhig und landschaftlich wirklich schön.

    Ausblick  über Iringa vom Gangilonga Rock
    Sonnenuntergang über Iringa

    Die Ausgrabung eines alten "Messers" in der Isamila-Schlucht


    Inmitten der Isamila-Schlucht (ausgetrocknete Korallenriffe)
     Kultur(erbe) heißt in Tansania für mich „Hautnah miterleben“. Es gibt keine Absperrungen, keine abgezeunten Wege. Du läufst durch Natur, die man in anderen Ländern womöglich nur von weitem sehen dürfte. Du darfst im Museum alles berühren, in deine Hände nehmen. Ausgrabungen, die in Deutschland hinter verschlossenen Glasvitrinen liegen.
  1. Mbeya
    Von der Stadt an sich für mich eher weniger reizvoll, von der Natur außenrum allerdings wunderschön.
    Wanderung zu dem Ngozi Crater Lake bergauf durch einen Dschungel

    Unsere hilfsbereiten "Fremdenführer". Ein paar Kinder aus dem Dorf, die uns den Weg zeigten und uns, als es anfing zu regnen, mit ihrer Machete Regenschirme aus Bananenblättern bastelten.


    Blick über den Ngozi Crater Lake
     Insgesamt 7 Stunden sind wir durch Mais; und Bambusfelder, und bergauf durch einen Dschungel gewandert. Folgend dem Trampelpfad und den improvisierten Naturtreppen. Erschöpft kamen wir oben an und durften diesen Blick genießen und die Anstrengung der letzten Stunden war sofort verflogen.













  1. Matema
    Schon allein die Fahrt nach Matema war für mich ein landschaftliches Highlight.
    Nach der Anstrengung der letzen Tage, erwartete uns in Matema ein wenig Erholung.
    Matema ist ein Dorf direkt am Lake Nyassa. Wir schliefen das erste und einzige Mal nicht bei Couchsurfern, sondern in einer Lodge direkt am Strand.
  1. Blick von unserem Balkon


Ein Affe auf unserem Balkon

Wanderung zu Wasserfällen in Matema

  1. Mit der Fähre von Matema nach Mbamba Bay
    28 Stunden verbrachten wir auf der Fähre von Matema Beach nach Mbamba Bay.
    Auf der Fähre, die in Deutschland wahrscheinlich nicht mehr zugelassen wär, schliefen wir zwischen den anderen Passagieren auf dem Deck, während es um uns herum gewitterte.
    Eine Erfahrung, die ich so noch nie zuvor gemacht habe und definitiv nicht missen möchte.

















 Als wir Abends in Mbamba Bay ankamen, trampten wir nachts nach Songea, um am nächsten Morgen noch den Bus zurück nach Dar es Salaam zu erwischen.

Im allgemeinen war die Reise sehr aufregend und unglaublich schön, geprägt von vielen Glücksgefühlen.
Das Gefühl nachts draußen in einem kleinen Dorf zu sitzen. Es ist Stromausfall, um dich herum Berge, die du durch die komplette Dunkelheit nicht wahrnimmst. Das einzige was du siehst, ist ein unglaublicher Sternenhimmel. Sich währenddessen mit den Menschen unterhalten, die du in den letzten Monate lieb gewonnen hast. Menschen, die dir in Deutschand so wahrscheinlich nicht begegnet wären.
Das Gefühl in einem Kanu über einen See zu schippern. Dem Kanu siehst du den Baumstamm noch an. Es ist heiß, du hälst deine Hände ins Wasser, um dich ein wenig abzukühlen. Du gelangst zu einer kleinen Bucht. Steigst aus dem Kanu, nimmst dir eine Taucherbrille und einen Schnorchel und tauchst ins Wasser. Du erblickst Fische in den verschiedensten Farben und schwimmst ihnen nach, beobachtest sie.
Das Gefühl in einem kleinen Bus zu sitzen, der durch Berge und vorbei an Feldern fährt. Vorne im Bus steht ein Mensch mit der Bibel in der Hand, der auf Kiswahili predigt. Der ganze Bus ist still, die meisten haben ihre Augen geschlossen und ihre Hände verschränkt. Irgendwann ist er fertig, bedankt sich und ist nicht mehr zu sehen. Im nächsten Moment steigt ein Mensch ein, der seine Produkte im Bus verkauft und lautstark anpreist. Die Frau hinter dir kauft sich eine Aloe Vera Seife.
Dein Blick schweift wieder aus dem Fenster. Bäume und Sträucher ziehen an dir vorbei.
Das Gefühl vor einem Wasserfall zu stehen. Du steigst ins Wasser, es ist kalt. Du kletterst auf einen Felsvorsprung direkt unter dem Wasserfall. Das Wasser prallt auf deine Haut, du kannst nichts sehen. Du trittst einen Schritt nach vorn und springst ins Wasser.
Das Gefühl im meditativen Zustand im Sand zu sitzen. Du hörst das Rauschen der Wellen, vernimmst deinen Atem. Du atmest ein und wieder aus, denkst an nichts. Entschwindest in eine andere Welt.


Sonntag, 15. November 2015

spürbare Dankbarkeit

Es ist 7 Uhr morgens, ich sitze auf unserer Terrasse, Sonnenlicht strahlt auf meine Haut. Auf Grund der krähenden Hähne, der zwitschernden Vögel und der Sonne, die in mein Zimmer scheint, kann ich nicht mehr schlafen. Obwohl ich gestern den ganzen Tag unterwegs war und mein Abend sich mit meinen Freunden hier noch sehr lang zog, bin ich wach und motiviert mal wieder etwas zu schreiben. In solchen Momenten der vollkommenen Ruhe und Entspannung, wird mir immer wieder bewusst, was für ein unglaubliches Glück ich habe, hier sein zu dürfen. Was für eine Bereicherung jede meiner Erfahrungen für mein weiteres Leben bedeutet. Was für ein Privileg es ist, solche Momente, auch wenn sie einem ganz klein erscheinen, erleben zu dürfen, während andere Menschen um ihr Überleben kämpfen... Ich merke, wie ich in diesen Momenten eine unbeschreibliche Dankbarkeit empfinde. Dankbarkeit für meine Familie und meine Freunde, die mir Liebe schenken und mein Leben lebenswert machen. Dankbar dafür, dass ich mir über Dinge wie Nahrungs; oder Wassermangel in Bezug auf mein Leben keine Gedanken machen muss. Dankbarkeit für die Bildung, die ich erfuhr und die Möglichkeiten, die mir dadurch offen stehen. Umso trauriger macht es mich natürlich, dass nicht jeder Mensch auf dieser Erde, diese Möglichkeiten hat. Andererseits erlebe ich hier in Tansania aber auch, wie man mit den einfachsten Dingen glücklich werden kann. Wie froh ich jedes Mal bin, wenn ich von der Arbeit nach Hause komme und wir Strom haben, weil er zur Abwechslung mal nicht ausgefallen oder „zu Ende“ ist. Worte, wie „Der Strom ist zu Ende“ oder „Unser Wasser ist alle. Habt ihr noch Wasser? - Dann komm ich schnell zu euch rüber, um zu duschen“ würdest du in Deutschland nie sagen. Ich merke für mich persönlich, dass ich viele Luxusgüter, die man in Deutschland nicht einmal als solche Bezeichnen würde, gar nicht unbedingt brauche. Warum eine Dusche, wenn es ein Eimer Wasser und ein Kännchen auch tut oder eine Waschmaschine und Spülmaschine, wenn man auch von Hand waschen kann. Dazu muss man sagen, dass ich hier im Vergleich zu vielen Tansaniern im Luxus lebe. Allein, dass wir eine richtige Toilette haben und eine Küche mit Herd und Backofen, ist ein Indikator für „Wohlstand“. Trotzdem, denke ich, dass das Ganze eine Sache der Gewohnheit ist. Ich könnte mich sicher an ein „Plumpsklo“ und an eine einfache Feuerstelle als Küche gewöhnen. Es erfüllt beides seinen Zweck. „Mehr“ scheinen die Menschen hier nicht zu brauchen, eben weil es „Luxusgüter“ sind.
Ich merke gerade, wie der Text eine ganz andere Richtung einschlägt, als ich mir erdacht habe. Eigentlich hatte ich vor, ein wenig von meiner Arbeit und meinem Leben in Dar es Salaam zu schreiben. Das kann ja vielleicht wieder Thema meiner nächsten Rundmail werden. Grob gesagt geht es mir mit meinem Leben und meiner Arbeit hier sehr gut. Natürlich ist es nicht immer einfach und es gibt Tage, an denen ich vor Erschöpfung nur noch ins Bett fallen und schlafen kann. Ich erlebe Situationen, für die ich viel Zeit brauche, um sie zu verarbeiten. Aber am Ende des Tages, wenn ich auf das Erlebte zurückschaue, überwiegen die positiven Dinge immer und ich kann nur mit einem Lächeln im Gesicht, mit Vorfreude auf den nächsten Tag, einschlafen.

Mit Erstaunen musste ich feststellen, dass die ersten drei Monate meines Freiwilligendienstes schon verflogen waren. Verflogen ist definitiv das richtige Wort, denn diese Zeit kam mir vor wie im Flug und ist im Nachhinein nur schwer greifbar.
Drei Monate gefüllt mit neuen Erfahrungen, Eindrücken und Herausforderungen; den verschiedensten Gefühlen, von Verwirrtheit und Enttäuschung, bis hin zu unbeschreiblicher Dankbarkeit und Freude.
Genau diese Dinge werde ich nun versuchen, mit Hilfe dieses Berichts Revue passieren zu lassen.

Meine Zeit hier begann am 16.August 2015, als ich mit meinen Mitfreiwilligen, Joana, Paul und Tjark, am Flughafen in Dar es Salaam ankam. Es folgten 2 Wochen in denen uns von unseren Vorfreiwilligen die Stadt gezeigt und vieles erklärt wurde, was einem die Anfgangszeit um einiges erleichterte.
Nachdem ich mir einen groben Überblick über die Stadt und die Menschen verschafft hatte, fing ich an in meinem Projekt, dem Kinondoni Communication Centre, kurz KCC, zu arbeiten.
Das KCC ist eine Tagesbetreuung und ein Kindergarten mit Vorschulcharakter.
Der Schultag beginnt um 8:30 Uhr mit dem Assembly, bei dem ich mit den Schülern kleine Bewegungsspiele ausübe und Lieder auf Kiswahili oder Englisch singe.
Daraufhin werden sie in 2 verschiedenen Klassen, die nach dem Alter eingeteilt sind, unterrichtet. Meine Kollegin, Regina, unterrichtet die vier bis sechs; und ich die ein bis vierjährigen Kinder. Gelehrt werden die Fächer Kiswahili, Mathematik, Englisch und Kunst.
Zur Stärkung trinken die Schüler um 12 Uhr gemeinsam Uji (eine Art Porridge) und dürfen anschließend im Garten spielen. Nachdem sie sich ausgetobt haben, gehen die älteren Kinder nach Hause und die Jüngeren werden für zwei bis drei Stunden schlafen gelegt.
In dieser Zeit kochen wir das Mittagessen und räumen die Klassenräume auf. Sobald die Kinder aufwachen, gibt es für sie täglich wechselnd entweder Reis oder Ugali (Maisbrei) mit Bohnen und Gemüse. Nach dem Essen können sie sich frei beschäftigen. Oft male ich gemeinsam mit ihnen, lese Geschichten vor oder wir musizieren. Nachmittags kommen noch weitere Kinder in das KCC, teilweise die Älteren vom Vormittag, aber auch Kinder von anderen Schulen, und werden dort betreut und unterrichtet.
Momentan besuchen täglich etwa 20 Kinder das KCC, es ist allerdings ausgelegt für 50 bis 60 Kinder. Seit einem halben Jahr fällt die zweite Lehrkraft auf Grund einer Schwangerschaft weg und es ist nicht absehbar, eher unwahrscheinlich, dass sie wiederkommen wird. Deshalb befinde ich mich zur Zeit auf der Suche nach einer neuen Lehrkraft, die motiviert ist und dem KCC bestenfalls neue Inspirationen liefert, um dann neue Kinder für das KCC zu werben. Auch an weitere „kleinere“ Projekte, wie zum Beispiel Renovierungsmaßnahmen in den Klassenräumen und auf dem Spielplatz und Einführung eines Stundenplans für einen geregelten und produktiven Schultag, taste ich mich langsam aber sicher heran.
Die Arbeit im KCC ist sehr anstrengend, aber bringt mir auch unglaublich viel Freude. Zu sehen, wie einem die Kinder jeden Morgen zur Begrüßung um den Hals fallen und einem immer wieder sagen, wie sehr sie einen doch lieben, zeigt mir, dass mir mein Umgang mit den Kindern vielleicht nicht den größten Respekt ihrerseits verschafft, aber für mich definitiv auf zwischenmenschlicher Ebene das Richtige ist. Wie Kinder in dem Alter nunmal sind, brauchen sie viel Aufmersamkeit, die ich ihnen nicht immer gleichzeitig schenken kann, doch ich gebe mein Bestes und im Laufe der Zeit entwickelt man ein Gefühl für die verschiedenen Bedürfnisse jedes Kindes. Auch sprachliche Barrieren stellten besonders zu Anfang oft Schwierigkeiten dar, aber es sind genau diese Art von Hindernissen an denen man wächst und von denen man, meiner Meinung nach, nur profitieren kann.


So viel zu der Arbeit, die ich hier in Dar es Salaam ausübe.
Nun möchte ich noch auf mein alltägliches Leben, meine Wohnsituation und Freizeitgestaltung eingehen.

Ich lebe gemeinsam mit Paul in einer Wohnung in dem Stadtteil Ubungo.
Unsere Wohnung würde ich für tansanische Verhältnisse als sehr luxuriös beschreiben, so haben wir bespielsweise eine Küche mit Herd und Backofen und ein gut ausgestattetes Badezimmer. Unsere täglichen Einkäufe erledigen wir an den nahligenden Dukas (kleine Einkaufsläden) oder auf dem Markt, wo man von Gemüse bis hin zu Kleidung nahezu alles bekommt.
In meiner Freizeit tue ich an sich genau die Dinge, die ich auch in Deutschland getan habe. Man trifft sich nach der Arbeit mit Freunden, kocht gemeinsam oder unternimmt etwas.
Wobei der ganzen Situation durch die neue Umgebung natürlich andere Gefühle, Empfindungen und Wahrnemungen innewohnen.
Eines der wohl intensivsten Gefühle, die ich hier empfinde ist Dankbarkeit.
Oft bemerke ich, dass ich ganz alltägliche Situationen unglaublich genieße, sei es die Beobachtung des Sonnenuntergangs von einem Dach aus oder das tägliche Grüßen der Menschen auf meinem Arbeitsweg. Es ist schier unmöglich schlecht gelaunt aus dem Haus zu gehen, wenn man von allen Seiten freudig begrüßt und willkommen geheißen wird.
Besonders bewusst wurde mir mein Glück, als ich eines Abends mit Freunden auf einem Berg in Ubungo saß, von dem man einen rundum Blick über Dar es Salaam hatte. Wir betrachteten den Sonnenuntergang, der langsam in einen großartigen Sternenhimmel mündete, eingebettet in die Lichter der Stadt.
In solchen Momenten, in denen man die Lautstärke des Verkehrs nicht mehr wahrnimmt, alle stressigen Situationen vergisst und nur noch das Glück spürt, welches einen umgibt, genieße ich es in vollen Zügen hier sein zu dürfen.


Und so schnell die Zeit im Rückblick doch zu verfliegen scheint, in genau diesen Augenblicken steht sie scheinbar still. Sie wird greifbar und gibt einem die Möglichkeit den Moment auszukosten und in seiner Fülle zu genießen.



Freitag, 8. Mai 2015

Liebe Leser,

schon seit Jahren ist es mein Traum, ein freiwilliges soziales Jahr in Afrika zu absolvieren und nun ist es mir durch einen Weltwärts-Freiwilligendienst endlich möglich.
Mein Name ist Leah Richter-Reichhelm und ich bin 18 Jahre jung. Momentan lebe ich noch in Berlin, aber ab August 2015 werde ich für 13 Monate in Dar es Salaam (Tansania) leben und arbeiten. Ich werde dort im Kinondoni Communication Centre, einem Kindergarten, zwei bis sechs jährige Kinder betreuen und unterrichten.
Dies ist eines der Projekte des Kawaida e.V. Die Organisation wurde 2006 von an Tansania interessierten Studierenden, die teilweise selbst einen Freiwilligendienst in Tansania absolvierten, gegründet. Ziel des Vereins ist der kulturelle Austausch zwischen Tansaniern und Deutschen, sowie die Förderung verschiedener tansanischer Projekte, die den Menschen dort bessere Lebensbedingungen ermöglichen. 
Dieser Weltwärts-Freiwiligendienst wird finanziell vom Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung gefördert. Allerdings ist es eine Voraussetzung für meinen Freiwilligendienst, dass ich einen Teil der Unkosten durch Spenden finanziere.
Falls ­Sie mein Projekt und mich also finanziell unterstützen möchten, würde ich mich sehr freuen. Spender werde ich regelmäßig über meinen Aufenthalt per E-Mails informieren. Außerdem werde ich diesen Blog führen, den ich im Laufe der 13 Monate mit Bildern, Texten und Videos fülle. Auch über kleine Spendenbeträge freue ich mich sehr.

Kontoverbindung für die Spenden:

Kawaida
KtoNr: 2007860601
BLZ: 43060967
BIC: GENO DE M 1 GLS
IBAN: DE68 4306 0967 2007 8606 00
GLS Gemeinschaftsbank eG

Verwendungszweck: Leah Richter-Reichhelm

Wenn Sie eine Spendenbescheinigung erhalten wollen, schreiben Sie bitte noch ihre Adresse dazu.

Vielen lieben Dank!